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Lisa Thomsen: "Ich will alle Spielerinnen besser machen"

In neuer Rolle für den USC aktiv: Lisa Thomsen
In neuer Rolle für den USC aktiv: Lisa Thomsen

Lisa Thomsen hat im Alter von 33 Jahren ihre Karriere als Profi-Volleyballerin beendet. Die aus Aachen stammende und in Marl aufgewachsene Libera trug 112 Mal das Trikot der Deutschen Nationalmannschaft. Von 2006 bis 2009 und von 2017 bis 2019 spielte die mehrfache Deutsche Meisterin und Vize-Europameisterin von 2011 und 2013 für den USC Münster. In Münster geht es für sie nun auch weiter. Natürlich beim USC. Natürlich im Profi-Volleyball. Als Co-Trainerin will sie an der Seite von Headcoach Teun Buijs, den sie als Spielerin und auch privat seit vielen Jahren bestens kennt, den Traditionsverein wieder an die nationale Spitze heranführen. Gleichzeitig übernimmt sie auch einen Teilbereich des Teammanagements und soll so für eine noch bessere Kommunikation zwischen Bundesliga-Team und USC-Administrative sorgen. Das neu formierte Trainer-Duo wird dank der weiterhin sehr geschätzten und wertvollen Unterstützung durch Marvin Mallach zu einem Trainer-Trio, das in der Liga seinesgleichen sucht. 

Lisa, bis vor kurzem waren Deine Spielerinnen, deren Trainerin Du nun bist, Deine Mitspielerinnen. Gleichzeitig war Teun Buijs bislang Dein Trainer. Jetzt ist er Dein Kollege. Auch, wenn er die Hauptverantwortung trägt, so ist das ja doch jetzt etwas anderes. Machst Du Dir keine Sorgen um Deine Autorität bei so viel USC-Vergangenheit? 

Lisa Thomsen: „Nein, ganz und gar nicht. Ich habe ja im Juni schon einige Trainingseinheiten mit der Mannschaft in meiner neuen Rolle absolviert. Wir sind alle Profis. Die Mädels haben das gut aufgenommen. Und mein über viele Jahre gewachsenes gutes Verhältnis zu Teun schadet auch nicht. Ich war als Spielerin aufgrund der vielen gemeinsamen Zeit stark geprägt von ihm. In vielen Dingen stimmen unsere Ideen und unsere Philosophie überein. Es wird aber mit Sicherheit auch immer wieder unterschiedliche Meinungen zwischen uns geben. Das ist ja auch gut so und wichtig für gute Ergebnisse. Wir werden unsere Zusammenarbeit im Laufe der Zeit immer weiterentwickeln. Ich habe ein sehr gutes Gefühl, was das angeht.“ 

Eine Frau im Trainerteam, das gibt es in der Bundesliga – außer jetzt beim USC – sonst nur in Aachen und Erfurt. Wie wichtig ist dieser Faktor aus Deiner Sicht?

Lisa Thomsen: „Es stimmt, es gibt viel zu wenige Frauen unter den Trainer/innen. Leider ist auch die Frauenquote in den Lehrgängen immer sehr niedrig. Ich bin davon überzeugt, dass ich mich in bestimmten Situationen einen Tick besser in die Spielerinnen hineinversetzen kann, als meine männlichen Kollegen. Als Frau und auch als Ex-Profi. Das kann sicher helfen. Die Kabine ist für mich jedoch grundsätzlich – wie auch für jeden männlichen Trainer – ab sofort tabu. Besprechungen vor und nach dem Spiel werden natürlich schon noch in der Kabine durchgeführt. Mehr aber auch nicht. Ich bin jetzt Coach. Das Team braucht einen Ort ganz für sich alleine.“ 

Hast Du ein Vorbild unter den Trainern?

Lisa Thomsen: „Es gibt einige Trainer, von denen ich sehr viel gelernt habe. Einen einzelnen von ihnen als Vorbild herausheben, das kann ich aber nicht. Erst gerade habe ich bei der Nations League mit der Nationalmannschaft mit unterschiedlichen Trainern so viele interessante Gespräche geführt. Man kann und sollte sich von diesen Trainern so viel Input wie möglich einholen, aber am Ende will ich natürlich auch meinen eigenen Weg finden.“

Ist dieser Weg denn dann mit dem Posten der Co-Trainerin eines Bundesligisten schon zu Ende oder ist es Dein Ziel, einmal Cheftrainerin zu werden? 

Lisa Thomsen: „Ja klar. Das ist mein großer Traum. Es reizt mich, die Frauenquote unter den Headcoaches anzuheben und zu zeigen, dass auch Frauen gute und erfolgreiche Trainerinnen auf höchstem Niveau sein können. Aber letztendlich beginne ich ja gerade erst mit der 'Karriere nach der Karriere' und wir werden sehen, wo mein Weg mich hinführt.“

Du hast beim USC einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Gibt es eine klare Aufteilung in Sachen Co-Trainer-Tätigkeit und Teammanagement? 

Lisa Thomsen: „Ich bin in erster Linie Co-Trainerin. Aber ich habe auch einen Schreibtisch in der Geschäftsstelle. Gemeinsam mit meiner Kollegin und offiziellen Teammanagerin Anja Dühnen kümmere ich mich dort um alle Belange des Teams. Da ich die Spielerinnen und meine Trainerkollegen ja in der Regel zweimal am Tag in der Halle sehe, sind die schnelle und direkte Kommunikation sowie meine Erfahrungen als Spielerin beim Planen und Organisieren von beispielsweise Auswärtsspielen, Turnieren, PR-Terminen und der Ausrüstung sicher meine größten Vorteile.“

Hört sich an wie ein Traumjob.

Lisa Thomsen: „Ich bin auch wirklich total glücklich über meinen neuen Arbeitsvertrag. Der Verein und ich – wir haben schon lange über eine mögliche Zusammenarbeit gesprochen. Als wir uns dann einig waren, habe ich mich riesig gefreut. Jetzt, wo es richtig los geht und ich bereits die ersten Wochen in meinem neuen Job gearbeitet habe, bin ich richtig happy. Ich hätte mir keinen besseren Übergang ins Berufsleben vorstellen können.“

Zum Glück einer Co-Trainerin gehört sicher auch immer der sportliche Erfolg. Kannst Du schon einen Blick auf die vor euch liegende Saison werfen? 

Lisa Thomsen: „Das ist schwierig. Beim USC hat erstmals seit mehreren Jahren wieder ein etwas größerer personeller Umbruch stattgefunden. Aber das gilt im Prinzip für alle Bundesliga-Teams. Viele Top-Spielerinnen sind ins Ausland gewechselt. Teilweise standen Mannschaften mit nur einer oder zwei Spielerinnen da. Wir sind in Sachen Kaderplanung schon recht weit. Stuttgart, Schwerin und Dresden werden sicher auch im nächsten Jahr ein Stück weit besser sein als der Rest der Liga. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass wir eine gute Saison spielen. Am Ende wird es für alle darauf ankommen, wie schnell man als Team zusammenfindet.“

Letzte Frage: Mit Linda Bock haben wir ja eine sehr talentierte Nachfolgerin auf Deiner Position beim USC. Liegt Dein Fokus als Coach besonders auf ihr?

Lisa Thomsen: „Nein, keineswegs. Natürlich werde ich im Training besonders die Annahme und die Block-Feld-Abwehr im Auge haben. Mein großes Ziel ist es, als Coach alle Spielerinnen besser zu machen und ihnen dabei behilflich zu sein, ihre Leistungspotentiale voll auszuschöpfen. Ich freue mich aber natürlich sehr, dass wir mit Linda eine Top-Libera im Team haben, die es noch ganz weit bringen kann.“ 

Lisa, danke für das Gespräch und viel Erfolg als Co-Trainerin beim USC!


 

Die Ansagen von Lisa Thomsen hatten schon zu ihrer aktiven Zeit Gewicht. Auch als Co-Trainerin wird sie sicher stets den richtigen Ton treffen. Foto: Michael Mücke
Die Ansagen von Lisa Thomsen hatten schon zu ihrer aktiven Zeit Gewicht. Auch als Co-Trainerin wird sie sicher stets den richtigen Ton treffen. Foto: Michael Mücke

 

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