| USC Münster | : | RR Vilsbiburg |
Heute, an ihrem 19. Geburtstag, kann Cinja Tillmann einmal gepflegt durchatmen – und auf das schauen, was sie in den letzten Wochen und Monaten geleistet hat. Und das beschränkt sich nicht auf das bestandene Abitur, sondern ist in erster Linie ein steiler sportlicher Aufstieg.
Am Sonntag setzte die für den USC Münster spielende Sendenerin ihrer jungen Karriere die Krone auf: Mit der Hamburgerin Christine Aulenbrock gewann Tillmann in Catania auf Sizilien den Beachvolleyball-Europameistertitel der U20. In fast erschreckend souveräner Manier, denn lediglich zwei Sätze gab das deutsche Doppel im Laufe des gesamten Wettbewerbs ab. Damit toppte Cinja auch die unlängst in der U20 erreichte Deutsche Meisterschaft.
"EM anderes Kaliber"
„Die EM war da schon ein ganz anderes Kaliber als die DM“, gesteht die junge Volleyballerin, die in der Halle Zuspielerin des USC-Zweitliga-Ensembles ist und auch gegen Allianz Volley Stuttgart bereits Erstliga-Luft schnupperte. „Auf der DM war das Niveau nicht wirklich hoch, das war bei der EM deutlich mehr. Auch von der Stimmung her“, so die 19-Jährige. Über die Dominanz, mit der sie mit Aulenbrock durchs internationale Feld pflügte, war die angehende Studentin selbst „ein wenig überrascht. Aber wir haben mit viel Stimmung gespielt, das hat vielen anderen Teams etwas gefehlt. Wir beide haben in Catania gut gespielt und uns immer gesteigert. Trotzdem ist so ein Durchmarsch natürlich fantastisch“, schwärmt Cinja, die aus einer sportbegeisterten Familie stammt: Vater Rainer Tillmann spielte mit Preußen Münster in der Fußball-Oberliga, Bruder Steffen kickt beim Landesligisten BSV Roxel. Der Papa war auch in Catania mit dabei. „Ganz ohne Unterstützung aus der Familie wäre es für mich auch sehr schwer“, sagt Cinja.
Für Furore gesorgt
Vor gut einem Jahr spielte die Zuspielerin noch in Senden in der Verbandsliga. Mit dem Wechsel zum USC begann der Karriereschub. Zunächst in der Halle, dann im Sand mit Teresa Mersmann (20). Das USC-Duo sorgt hier seit Mai für Furore und ungläubiges Staunen – nicht nur mit diversen Siegen bei den Top-Turnieren der Landesverbände, sondern auch auf der Deutschen Beach-Tour, wo Cinja und Teresa bei den Super-Cups in Frankfurt und Hamburg Neunte wurden. Bei den Turnieren auf Norderney und in Münster kam das USC-Doppel gar jeweils auf Rang fünf ein. Das Resultat: In der deutschen Rangliste, die die Weltstars Sarah Goller und Laura Ludwig anführen, rangierten Mersmann/Tillmann derzeit auf Platz acht – nur vier Pünktchen hinter Münsters international aktivem Beach-Vorzeigeduo Brink-Abeler/Grün. „Wenn mir vor einem Jahr irgendwer diese Entwicklung vorausgesagt hätte, hätte ich gesagt: Du verwechselst mich mit jemandem!“, grinst Tillmann.
"Erstmal bleiben wir in Deutschland"
Die angehende Mathematik-Studentin bleibt trotz der (auch von ihr selbst) unerwarteten Erfolgssträhne geerdet. Von einer Teilnahme an der Weltserie ist bei Tillmann keine Rede. „Wir werden erstmal nur in Deutschland spielen, auch in der nächsten Saison. Es würde für uns keinen Sinn machen, die FIVB-Tour zu spielen, und da immer im Country Quota rauszufliegen“, betont Tillmann. Andererseits: „Natürlich ist die Aussicht, da mal hin zu kommen, sehr reizvoll. Sollte es sportlich stimmen, kann ich mir das schon vorstellen.“ Womit eines auch klar ist: Ihre Volleyball-Zukunft sieht die Sendenerin deutlich mehr im Sand als unterm Dach. „Klar, im Winter gehe ich gerne in die Halle. Aber insgesamt tendiere ich zum Beach.“
Nur kurzes Durchatmen
Nach dem Geburtstag und der von ihrer Familie arrangierten Überraschungsparty nach ihrer Rückkehr am Montagabend, geht für Tillmann das Alltagsgeschäft weiter. Mit dem Training für den Supercup auf Fehmarn am Wochenende. Da werden Mersmann/Tillmann allerdings erst am Samstag ins Geschehen eingreifen. Denn als achtbestes Team in Deutschland muss man nicht mehr durch die Qualifikation, sondern steht direkt im Hauptfeld. Was die Ausgangsposition – auch hinsichtlicher der DM in Timmendorf - sicherlich nicht verschlechtert…
Quelle: Echo Münster